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Verblüffende Anbaumethoden und wilde Weine

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Die Domaine Lissner in Wolxheim

Von Gerhard Rouget

Wer auf den Topweingütern im Elsass, die zum Großteil biologisch und biodynamisch arbeiten, den Namen Bruno Schloegel erwähnt, erntet anerkennendes Nicken. Der Kollege von der nördlichen Weinstraße treibt die Prinzipien naturnaher Anbaumethoden auf die Spitze – und erntet Naturweine auf hohem Niveau. Aber der Reihe nach: Wir befinden uns ca. 20 Kilometer nördlich von Straßburg. Die Weinberge sind hier in eine sanfte Hügellandschaft eingebettet. Die Vogesen sind weiter entfernt als im Süden. Das Klima ist kühler, da der schützende Wall der Vogesen fehlt. Wolxheim ist bekannt. Auch weil es mit dem Altenberg eine Grand-Cru-Lage besitzt und hier mit Bruno und Theo Schloegel Weinmacher wirken, die Außergewöhnliches tun. „Die Biodiversität ist unser großes Ziel“, sagt Bruno. Die Methode, ein höchstmögliches Zusammenwirken von Reben und konkurrierenden Pflanzenarten zu erhalten, heißt „Waeving“ (engl. Weben, Flechten). Die Reben werden nicht geschnitten, sondern miteinander verflochten. „Wir pflügen auch nicht und lassen die Tierwelt und die Reben ihr Ding machen“, sagt Bruno, der das Weingut vor 15 Jahren übernahm und gemeinsam mit seinem Sohn Theo führt. Die Vielfalt, die sich nach mehreren Jahren im Weinberg einstellt, macht Bodenbearbeitung obsolet. Das Ergebnis: robuste Trauben, intensiv im Geschmack und mineralisch, ein höchstmöglicher Ausdruck des Terroirs. Schlögel beschreibt den Eindruck als „Salinité“. Nach dem Schluck steigt retronasal ein intensiver Nachhall auf. Laut Schloegel ist das „die Konzentration von Inhaltsstoffen aus dem Boden“. Feurig, mineralisch, salzig im positiven Sinne. Naturweine, die im Geschmack auch als „wild“ bezeichnet werden.

Durch den konsequenten Non-Interventionismus sparen die Schloegels den Aufwand, der im konventionellen Weinbau betrieben wird. Die Arbeitsmethode ist wenig personal- und kostenintensiv. Und erlaubt es, auch Weine im Bereich um die 10 EUR anzubieten, darunter einen Pinot Blanc und Riesling. Der Grand Cru Altenberg mit seinen Kalkmergelböden ist bekannt für konzentrierte finessenreiche Weine.

OPUS-Tipps für Weine mit schmeckbarer Salinität: Wolxheim Riesling 2023 (14,50 EUR), Gewürztraminer Grand Cru Altenberg 2023 (26 EUR). Für den Besuch mit Degustation und die Begegnung mit dem charismatischen Bruno Schloegel sollte man mindestens drei Stunden einplanen.

Wolxheim liegt am Canal de la Bruche, wo ein europäischer Radweg bis nach Straßburg führt. Wanderwege führen in den Weinberg zur Saint-Denis-Kapelle und zum Aussichtspunkt „Hornfelsen“ mit der Friedens-Statue „Du Sacré-Coeur“. Empfehlenswerte Gastronomie mit Weinen von Produzenten der Region bietet der „Table du Domaine“ des Entenzüchters und Foie-Gras-Produzenten Lucien Doriath im drei Kilometer entfernten Avolsheim.

lissner.fr

Bild: Theo und Bruno Schloegel © Domaine Lissner

Filed Under: Kulturleben

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