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Lesung und Diskussion: Frank Arnaus Roman aus den Tagen der Volksabstimmung 1935

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Foto: Frank Arnau, 1969 zu Weihnachten mit Frau Ella und ihren Hunden © Privat (Klingen-Verlag Solingen)

Kann man am 13. Januar besser an die Saarabstimmung 1935 erinnern denn mit einem Roman, der die Zeitläufte von der Weimarer Republik bis nach der Machtergreifung Hitlers 1933 beleuchtet? Aus diesem Grund laden die Stiftung Demokratie und das Kulturforum der Sozialdemokratie Saarland am 13.01.2026, 18 Uhr, zu einer Lesung und Diskussion rund um den Roman „Die braune Pest“ von Frank Arnau in die Stiftung Demokratie Saarland, Europaallee 18 am Saarbrücker Hauptbahnhof ein.

„Hass, Unterdrückung, Verfolgung, Mord: Die bitteren Erfahrungen der nationalsozialistischen Herrschaft haben nicht dazu geführt, dass die Menschheit davor bis heute gefeit wäre,“ schrieb Ministerpräsidentin Anke Rehlinger in ihrem Vorwort zu Frank Arnaus vor 92 Jahren erschienenen Roman „Die braune Pest“. Stiftung Demokratie Saarland und das saarländische Kulturforums der Sozialdemokratie wollen anläßlich der 91. Wiederkehr der Saarabstimmung am 13. Januar 1935 den wiederentdeckten Enthüllungsroman vorstellen. „Arnaus Zeitdokument hat nichts von seiner Strahlkraft verloren, er mahnt uns eindringlich vor einer Wiederkehr rechtsextremer Umtriebe,“ erläutert der Vorsitzende des saarländischen Kulturforums und Historiker Dr. Burkhard Jellonnek die ungebrochene Relevanz des im Solinger Klingen-Verlag erschienenen Werkes. Gemeinsam mit Verleger Adrian Jesinghaus will er die Bedeutung des Romans gestern wie heute herausarbeiten. Hartmut Volle, bekanntgeworden durch seine Hauptrolle in „RentnerCops“ in der ARD und durch viele Auftritte als Gerichtsmediziner im saarländischen „Tatort“ wird Passagen aus dem Roman lesen. Der saarländische Finanzminister Prof. Jakob von Weizsäcker wird zu einem Grußwort erwartet.

Bereits in seiner Entstehungszeit haben die Nationalsozialisten nichts unversucht gelassen, das Erscheinen von Arnaus Roman zu verhindern. „Mit dem Seziermesser“, so die Geheime Staatspolizei, hatte der damals in Berlin lebende Journalist und Schriftsteller, ein Tausendsassa und Lebenskünstler mit besten Verbindungen in Politik und Wirtschaft, den Aufstieg der NSDAP in der Weimarer Republik nachgezeichnet. Er legte offen, wie schonungslos die Nazi-Schergen mit Andersdenkenden nach Hitlers Machtergreifung umgingen. Um die Sprengkraft seiner Ausführungen wissend, hatte der gebürtige Wiener mit Schweizer Staatsbürgerschaft kurz nach dem Boykottaufruf gegen jüdische Einrichtungen am 1. April 1933 sich durch eine Flucht in die Niederlande der Fahndung im Deutschen Reich entzogen. In den Folgemonaten vollendete er seinen „Anti-Hitler-Roman“ im sicheren Mallorca-Exil. Die Vorankündigung eines Verlages vom 21. Februar 1934, das Enthüllungswerk würde bald erscheinen, versetzte das Geheime Staatspolizeiamt in Berlin in helle Aufregung: Die „neue Hetzschrift gegen Deutschland“ übertreffe „alles bisher Geschriebene des Staatsverräters Frank Arnau“.

Auf dem Gebiet des Deutschen Reiches war damit eine Publikation des Buches undenkbar geworden. Arnau aber hatte offensichtlich in Paris Kontakte geknüpft zu dem Chef der damaligen Saar-SPD, Max Braun. In dessen „Volksstimme“ erschien zum großen Ärger der NS-Machthaber im damals noch politisch unabhängigen Saargebiet vom 4. März bis 19. Juni 1934 in 85 täglichen Nadelstichen das aufklärerische Werk des unbestechlichen Zeitzeugen. Arnau überlebte ab 1939 mit seiner Familie in Brasilien, kam 1955 in seine Heimat Berlin zurück, schrieb für den „Stern“ und wurde zum Präsidenten der „Deutschen Liga für Menschenrechte“ ernannt. Mit ins Luzerner Grab aber nahm er 1976 das Rätsel um das vermeintliche Erscheinen seines zwischen Buchdeckeln veröffentlichten Romans „Die braune Pest“. Gelüftet wird dieses Geheimnis erst jetzt nach 87 Jahren. Dank des unermüdlichen Einsatzes des Arnau-Experten Hans-Christian Napp ist das lange verschollene Werk mit seiner „Erstausgabe“ im Solinger Klingen-Verlag 2021 erstmals erschienen. Der ehemalige Kriminalkommissar fand die Fortsetzungsgeschichte im Homburger Stadtarchiv, das Jahrgänge der Saarbrücker „Volksstimme“ vorhält. Und die Ausgabe zeigt, dass Zeitgenossen wie Frank Arnau bereits zu Beginn des NS-Regimes sehr genau wussten, welch Geistes Kind Hitler und seine Schergen waren und wie schnell das Steuer der demokratischen Weimarer Republik herumgerissen wurde zugunsten eines Unrechtsregimes, das mit Folter und Mord auf politisch Andersdenkende reagierte.

Anmeldung: www.stiftung-demokratie-saarland.de

Bibliographische Angaben:
Frank Arnau: Die braune Pest. Relevanz damals und heute. Bearbeitet und herausgegeben von Adrian Jesinghaus und Hans-Christian Napp. Klingen-Verlag Solingen 2021, 361 Seiten, 19.80 €, ISBN 978-3-96754-004-8 (www.klingen-verlag.de)

Kontakt:

Dr. Burkhard Jellonnek, mobil 0170 904 2059
Burkhard.jellonnek@t-online.de

Filed Under: Allgemein, News

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