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Kritik: Saarländisches Staatstheater – „Götterdämmerung“

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Ein glanzvoller Höhepunkt der Saison

Zum Abschluss der Ring-Tetralogie die „Götterdämmerung“ von Richard Wagner

Von Kurt Bohr

Eine rundum gelungene Premiere von Richard Wagners „Götterdämmerung“, am Ende mit tosendem Beifall und Standing Ovations, ging am Sonntag über die Bühne des Großen Hauses des Saarländischen Staatstheaters. Das war der Abschluss der Tetralogie des „Ring des Nibelungen“, den der frühere Generalintendant Bodo Busse noch vor der COVID-Pandemie nach rund 30 Jahren im SST wieder auf den Weg gebracht hatte und den der neue Generalintendant Michael Schulz nun vollendete.

Zwar mischten sich auch diesmal einige Buh-Rufe unter den Applaus, als sich die beiden Regisseurinnen Magdolna Parditka und Alexandra Szerneredy, die auch für Bühnenbild und Kostüme verantwortlich zeichneten, dem Publikum präsentierten. Es ist zweifelsohne ein hochmodernes Regiekonzept, mit dem die beiden Künstlerinnen Wagners Hauptwerk in Szene gesetzt haben. Sie bedienen sich dabei der Künstlichen Intelligenz (KI), die das Bühnenbild mit einschlägigen Begrifflichkeiten bestimmt. Das kommt bei traditionsbewussten WagnerianerInnen nicht durchweg gut an, aber ist es denn in der Tat nicht so, dass so manche der ProtagonistInnen im „Ring“ wie von langer Hand angelegt wirken, also ähnlich wie KI-gesteuert? Jedenfalls ist das Regiekonzept in sich schlüssig und konsequent durchgeführt. Und die Kostüme mit ihrem zum großen Teil uniformistischen Chic sowie das Bühnenbild mit streng geometrisch gestalteten Räumen passen dazu nahtlos. Es lohnt sich in jeder Hinsicht, mit dieser Deutung sich der Tetralogie gedanklich näher auseinanderzusetzen.

Eine besonders vorzügliche Leistung hat das Saarländische Staatsorchester unter Leitung von Sébastien Rouland erbracht. Wunderbar waren die zahlreichen Pianissimo-Partien, in denen vielfältig die für Richard Wagner typischen Leitmotive brillierten; sie erklangen mit exquisiter Finesse und feinfühlender Zartheit. Aber auch die großen rauschhaften Tutti-Partien wurden den herausfordernden Anforderungen an dieses große Opernwerk bestens gerecht. So war es auch nicht verwunderlich, dass das Publikum die Orchesterleistung besonders lautstark bejubelte.

In diesem Zusammenhang verdient auch Erwähnung, dass dem Orchesterchef an diesem Abend auf der Bühne die Ehrenmitgliedschaft des Richard Wagner Verbandes des Saarlandes ob seiner Verdienste um die hoch kompetenten Einspielungen der Werke des Meisters verliehen wurde.

Die Gesangspartien der „Götterdämmerung“ waren bei der Premiere durch die Bank erstklassig besetzt. Herausragend war Markus Jaursch, der als hinterhältig brutaler Hagen und Mörder des Helden Siegfried gesanglich und darstellerisch in jeder Hinsicht zu überzeugen wusste.

Mit geringem Abstand folgten Aile Asszonyi mit ihrem glanzvollen und höhensicheren Sopran und ihrer zwiespältigen und dennoch souveränen Haltung zwischen bedingungsloser Liebe, Rache und letztlich doch wahrhaftiger Treue bis in den selbst gewählten Tod in den Flammen sowie Tilmann Unger als strahlender Held Siegfried mit grandiosem Helden-Tenor, der diese Heldenrolle trotz der hinterhältigen Anwürfe von Hagen und der von Frustration geprägten Vorhaltungen von Brunhilde ungebrochen durchhält. Das ist nur konsequent, denn er hat nach dem arglistigen Hacking seiner persönlichen Software – in Wagners Originaltext war es ein Zaubertrank – das Erinnerungsvermögen verloren und konnte deswegen lange nicht erkennen, dass er Brünnhilde die Treue gebrochen hat, indem er sich mit Gutrune, der Schwester des Gibichungen-Königs Gunther, vermählen ließ und mithilfe einer Tarnkappe, Gunters Gestalt annehmend, diesem Brünhilde als Gemahlin zuführte.

Etwas blasser wirkte Benedict Nelson als Gunther, dessen Gesangspartie ohnehin nicht viel Spielraum bietet. Stimmlich und darstellerisch hervorragend agierten Kay Stiefermann als Alberich und arglistiger Anstifter seines Sohnes Hagen sowie die wie immer zuverlässig und gekonnt agierende Judith Braun als Waltraute sowie Susanne Serfing als Gutrune. Ebenso wie die zum Teil in Doppelrollen als Nornen und Rheintöchter wie gewohnt sicher und mit stimmlicher Eleganz und Präzision auftretenden Sängerinnen Clara Sophie Bertram, Carmen Seibel, Margot Genet und Jessica Muirhead.

Unter präziser und stilsicherer Leitung seines bewährten Direktors Mauro Barbierato wusste sich auch der Chor des Staatstheaters stimmgewaltig überzeugend in Szene zu setzen. Bestens funktionierte auch die Bühnenbeleuchtung von Björn Schöck und geradezu perfekt war die KI-inspirierte Videoeinspielung von Leonard Koch.

Fünfeinhalb Stunden vergingen an diesem Abend wie im Fluge. Dieser Abschluss der Tetralogie ist ein echter Höhepunkt der Saison und verdient zahlreichen Zuspruch eines auch anspruchsvollen Publikums.

www.staatstheater.saarland

Bild: Tilmann Ungerer als Siegfried, Markus Jaursch als Hagen, Aile Asszonyi als Brünnhilde und Susanne Serfling als Gutrune (v. l.) © Foto: Kaufhold, Saarländisches Staatsheater

Filed Under: Kritik

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