
Mit der ambitionierten Werkschau „Entfaltung der Farbe“ feiert das Museum Frieder Burda in Baden-Baden einen der bedeutendsten Vertreter der internationalen Nachkriegsabstraktion: Simon Hantaï (1922–2008). Der gebürtige Ungar, der 1948 nach Paris emigrierte, leistete in Frankreich einen entscheidenden Beitrag zur Entwicklung der freien Abstraktion. Der internationale Durchbruch ließ nicht lange auf sich warten: 1980 wurde Hantaï mit dem renommierten Nationalpreis für bildende Künste in Frankreich ausgezeichnet, bevor er zwei Jahre später die Ehre erhielt, den französischen Beitrag für die geschichtsträchtige Biennale in Venedig auszurichten. Dass sein Einfluss bis heute nachwirkt, beweisen die jüngsten Pariser Großausstellungen im Centre Pompidou und der Fondation Louis Vuitton, die das Lebenswerk des Künstlers noch einmal umfassend feierten. Baden-Baden präsentiert nun die erste große deutsche Werkschau seit mehr als 25 Jahren. Anhand von über 40 teils monumentalen Arbeiten aus vier Jahrzehnten erleben die Besucher ein sinnlich bewegendes, immersives Fest der Farbe, das in eine einzigartige Symbiose mit der modernistischen Tageslicht-Architektur von Richard Meier tritt.

Im Zentrum der Schau steht Hantaïs weltberühmtes Markenzeichen: die Methode der „Pliage“. Statt den Pinsel klassisch über eine flache Leinwand zu führen, faltete, knitterte oder verknotete der Künstler die riesigen Stoffe, bevor er Farbe auftrug. Erst nach dem Trocknen entfaltete er sie wieder. Das Ergebnis sind spektakuläre, vom Zufall geleitete Muster, bei denen das unbemalte Weiß der Leinwand wie leuchtende Lichtadern hervorbricht. Seine Inspirationen waren dabei so vielseitig wie sein Leben. Sie reichen von den fließenden Gewändern der Renaissance-Malerei über das energiegeladene Action Painting eines Jackson Pollock bis hin zu den späten Scherenschnitten von Henri Matisse.
15.9 – 10.1.27
www.museum-frieder-burda.de
Titelbild: Simon Hantaï, Blancs, 1974, Acryl auf Leinwand / Acrylic on canvas, 243 x 233 cm, Privatsammlung / private collection © Archives Simon Hantaï / VG Bild-Kunst, Bonn 2026, Foto: Museum Frieder Burda / Jigal Fichtner



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