
›Auf zu neuen Werken!‹ – Mit diesem Motto gratulierte der Künstler Max Slevogt dem einflussreichen Berliner Verleger Bruno Cassirer einst zum Geburtstag. Es ist programmatisch für die über 30 Jahre währende intensive und freundschaftliche Zusammenarbeit der beiden. Zwischen 1903 und 1928 entstanden insgesamt 51 Mappen und illustrierte Bücher, die eindrucksvoll die thematische Vielfalt des Künstlers und den hohen Qualitätsanspruch des Verlages bezeugen.
Lisa Felicitas Mattheis, Kunst- und kulturwissenschaftliche Vorständin der Stiftung Saarländischer Kulturbesitz: »Die Zusammenarbeit von Max Slevogt und Bruno Cassirer war ein wahrer Glücksfall für die Kunst des 20. Jahrhunderts. Unsere Ausstellung macht diese einzigartige Verbindung von verlegerischem Wagemut und künstlerischer Experimentierfreude in ihrer ganzen Bandbreite erfahrbar – und versteht den programmatischen Ruf ›Auf zu neuen Werken!‹ zugleich als Einladung, die Innovationskraft der Moderne aus heutiger Perspektive neu zu entdecken.«

Bruno Cassirer hatte sich zum Ziel gesetzt, das Medium der Buchillustration aus der dem Text ›dienenden‹, eher kunstgewerblich konnotierten Rolle zu befreien und dem Künstler größtmögliche Freiheit bei der Gestaltung zu lassen. Slevogt verstand seine Illustrationen als ›Improvisationen‹, das heißt als vom Text angeregte, aber gleichberechtigte Kunstform. Seine anspruchsvolle und eigenwillige zeichnerische Kreativität stellte den Verleger dabei immer wieder vor drucktechnische Herausforderungen. Für die Umsetzung der Projekte musste er daher stets von neuem die passenden Produktionsverfahren finden. Es entstanden hochwertigste limitierte Liebhaberausgaben, die zum Teil handsigniert waren und als Sammlerstücke zu sehr hohen Ladenpreisen angeboten wurden.
Der Künstler Max Slevogt und der Verleger Bruno Cassirer waren über dreißig Jahre lang in einer sehr produktiven Arbeitsfreundschaft miteinander verbunden. Zwischen 1903 und 1928 entstanden 51 gemeinsame Illustrationsprojekte, die Slevogts Ruf als »König der Illustration« begründeten. In Cassirer fand er einen Verleger, der ihn immer wieder zu neuen Themen anregte und ihm zugleich Freiraum für seine Fantasie und seine besonderen Gestaltungsvorstellungen ließ. Die daraus entstandenen »neuen Werke« zählen zu den Höhepunkten der impressionistischen Grafik und Buchkunst. Sie werden in dieser Ausstellung in sieben Kapiteln präsentiert und zeigen die gesamte Themenvielfalt – vom Märchen bis zu Goethes Faust – in Grafiken wie in Gemälden.
Mit über 100 Exponaten lädt die Ausstellung im Saarlandmuseum – Moderne Galerie dazu ein, mit einer Auswahl aus diesen Illustrationsprojekten eine bisher eher unbekannte Seite von Max Slevogt zu entdecken. Die verschiedenen Schwerpunkte der Präsentation vom Märchen und den Erzählungen aus 1001 Nacht über Abenteuergeschichten oder Tierdarstellungen bis hin zur Ilias und Goethes Faust II zeigen die große Spannweite der Themen und die nahezu unerschöpfliche Fantasie des Künstlers. Die zahlreichen Vorzeichnungen, Probedrucke, Layout-Hefte und fertigen Bücher verdeutlichen die aufwändige Entstehung der ambitionierten Projekte. Die Kombination mit Gemälden aus den entsprechenden Themenbereichen belegt, dass Slevogts sehr persönliche Art der bildlichen Erzählung in allen Bereichen seines Schaffens eine wesentliche Rolle spielt.
Dazu Dr. Christine Regus, Generalsekretärin der Kulturstiftung der Länder: »Es ist längst überfällig, dass die fruchtbare Zusammenarbeit von Max Slevogt und Bruno Cassirer in der Tiefe erforscht und der Öffentlichkeit vermittelt wird. Ich bin überzeugt davon, dass diese Ausstellung unser Verständnis des Berliner Kulturlebens im ersten Viertel des 20. Jahrhunderts maßgeblich bereichern wird.«
Für die Ausstellung, vom 28. März bis 5. Juli im Saarlandmuseum – Moderne Galerie, wurde ein vielfältiges Begleitprogramm für Kinder und Erwachsene zusammengestellt. Neben klassischen Führungen und dem beliebten museum after work-Format werden auch Themenführungen unterschiedlicher Ausrichtungen angeboten, bei denen Gäste über Kunst, Künstler und auch kritische Bildsujets ins Gespräch kommen. Ein besonderes Highlight ist außerdem das Workshop-Angebot: Zur Ausstellung werden mehrere Praxiskurse für Jugendliche und Erwachsene mit Buchbinden, Comic- und Mangazeichnen sowie Tiefdruck angeboten. Für junge Gäste gibt es spannende Kreativaktionen in den Kinderkunstkursen Palette für Kinder ab 5 Jahren und Die Werkstatt für Kinder ab 10 Jahren. Inspiriert von den Märchenillustrationen von Max Slevogt finden interaktive Kinderlesungen statt, bei denen alle Sinnen angesprochen werden. Schulklassen können die Ausstellung mit einem Führungs- und Workshopprogramm zum Thema Drucktechniken entdecken.
Titelbild: Max Slevogt, Der Hauptmann spricht zu den Räubern (Ali Baba), um 1898-1903, Gouache, 15 x 11,5, © Tom Gundelwein



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