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Kritik: „Blutschwester“ in der Alten Feuerwache

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Im Angesicht des Todes

von Burkhard Jellonnek

Kreativ und vor allen Dingen innovativ ist er, Saarbrückens neuer Generalintendant Michael Schulz. Mit der Uraufführung „Blutschwester“ beschritt der, vom Musiktheater im Revier aus Gelsenkirchen gekommene, Theatermann ausgesprochen neue Wege. Sprich eine Auftragsarbeit für die aufstrebende Bühnenautorin Maria Milisavljević, soeben ausgezeichnet mit dem Else-Lasker-Schüler-Dramatikpreis 2026 und Gewinnerin des Mühlheimer Theaterpreises 2025. Eine dezidiert feministisch agierende Autorin, die sich jetzt im sogenannten „Writers Room-Projekt“ mit der Regisseurin Franziska Stuhr und der Bühnenbildnerin Lara Scherpinski einem Theaterabend voller weiblicher Solidarität, mit Wut und Widerstand, zu widmen hatte.

Das Ergebnis mit dem etwas erratischen Titel „Blutschwester“ konnte sich, mit seinen 100 pausenlosen Minuten, in der Alten Feuerwache mehr als sehen lassen. Schrieben und spielten Autorin wie Regisseurin Hand in Hand doch gegen ein Thema an, das normalerweise in unserer Gesellschaft eher versteckt als offen ausdiskutiert wird. Das jahrelange Sterben einer krebskranken Frau zwischen Hoffen und Bangen, zunächst gekrönt durch das Überleben einer Bauchspeichelkrebsdiagnose. Martina Struppek verkörpert den Überlebenswillen dieser etwa 60jährigen Frau, die eben nicht nach eigener Schuld an der Erkrankung sucht, sondern die Diagnose annimmt und an ihrem Leben hängt. Doch Metastasen kommen Monate später zurück, viel zu lange unentdeckt nisten sie sich in den Eierstöcken ein. Spätestens jetzt ist die vom nahen Tode gezeichnete Frau auf sich zurückgeworfen. Nur ihre Nichte (Anna Jörgens) und die Ex-Schwägerin und Freundin (Lea Ostrovskiy) begleiten ihren vergeblichen Überlebenskampf im Krankenhaus, während sich der auch auf der Bühne abwesende Ehemann und ihr gemeinsames Kind von der Situation gänzlich überfordert zeigen, ja sogar ihren in der Patientenverfügung geleugneten Willen zu lebensverlängernden Maßnahmen nicht respektieren. Um das deutlich herauszuarbeiten, arbeitet das Regieteam mit einem Kunstgriff. Die beiden Rollenträgerinnen aus der Verwandtschaft agieren auch als medizinisches Personal auf der Intensivstation mit bisweilen erschreckender Kriegsmetaphorik beziehungsweise als Protagonistinnen weiblicher Widerstandskraft, bekannt aus der Mythologie als Erinnyen und Furien. Die arbeiten sich ab an dem bisweilen resignativen Umgang der Erkrankten mit ihrem Krebsleiden. Als sie fast im Koma liegt, platzt endlich ihre angestaute Wut über ihr nur in Teilen geglücktes Leben heraus, sie findet deutliche Wort über ihr Verhältnis zu Ehemann und Kind. Das alles wird in einfühlsame Bilder übersetzt, es werden Worte gefunden für einen schwierigen Sterbensprozess. Eine eindringliche Inszenierung über Leben und Tod, die man sich auf keinen Fall entgehen lassen sollte.

                                                                                            

Weitere Informationen: www.staatstheater.saarland

Die nächsten Termine in der Alten Feuerwache:

03. (18 Uhr), 07., 09., 15., (alle 19.30 Uhr), 19. (18.00), 25. April (19.30 Uhr); 08. und 15. Mai sowie 06. Juni 2026, (alle 19.30 Uhr)

Titelbild: Mehr als nur Schachfiguren angesichts des nahenden Todes? Anna Jörgens, Martina Struppek und Lea Ostrovskiy (v.l.) in der Inszenierung von „Blutschwester“ in der Alten Feuerwache des Saarländischen Staatstheaters. © Martin Sigmund, Saarländisches Staatstheater

Filed Under: Allgemein, Kritik

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