
Was erwarten Reisende von fernen Ländern – und was erleben sie wirklich? Wie deuten sie das Gesehene und wie eignen sie es sich an? Reiseliteratur prägt unser Bild von fremden Welten durch ein Wechselspiel von Erwartung, Erfahrung und Reflexion.
Vier beliebte Reiseziele, mit denen ganz bestimmte Vorstellungen verbunden sind, werden präsentiert: das Heilige Land als Ziel religiöser Sehnsucht, Italien als kulturelles Traumziel, Island als Insel der Naturwunder und Südamerika als unbekannte Neue Welt. Anhand oft reich bebilderter Berichte spürt die Ausstellung dem Erleben und Erlebten früherer Reisender nach und lässt sie zu Wort kommen. So ergibt sich ein vielfältiger Blick auf Schicksale, Jahrhunderte und Kontinente: Wie bei einer Zeitreise eröffnen sich Aspekte heute erschlossener Weltgegenden, über die wir nur noch staunen können.

Natürlich prägt der eigene kulturelle Hintergrund die Wahrnehmung des Fremden ebenso wie die Umstände einer Reise. Es liegen Welten zwischen Michael Heberer aus Bretten, der im 16. Jahrhundert das Heilige Land als osmanischer Galeerensklave kennenlernt, und dem französischen Touristen Paul de Musset, der dreihundert Jahre später florentinisches Speiseeis als Wunder an Farben und Geschmacksrichtungen feiert. Island, seit der Frühen Neuzeit als karg und lebensfeindlich dargestellt, wird mit seinen Lavafeldern, Geysiren und Polarlichtern im 19. Jahrhundert plötzlich zum Naturwunder, aber auch zum Schauplatz der nordisch-germanischen Sage. Südamerika hingegen ist vor allem das Ziel von Konquistadoren und Missionaren, bis es im 19. Jahrhundert ebenfalls für Naturreisen entdeckt wird: Der deutsche Landsknecht Hans Staden, zwischen 1548 und 1555 in portugiesischen Diensten an der Eroberung Brasiliens beteiligt, berichtet, er sei dort von den Wilden Nacketen, Grimmigen Menschfresser-Leuthen verschleppt worden und nur knapp dem Tod durch Kannibalismus entgangen. Das wurde dann zum vermeintlich verbürgten Wissen Europas über die Neue Welt.
Die Ausstellung vom 18. März bis zum 27. Juni in der Badischen Landesbibliothek fügt die unterschiedlichen Reiseberichte zu einem Mosaik aus Sehnsucht, Nervenkitzel und Faszination zusammen.

Begleitend zur Ausstellung:
Kuratorenführung
Eine Reise in Büchern
Wenn jemand eine Reise tut, so kann er was verzählen, dichtete schon Matthias Claudius. Und so hat auch Kurator Dr. Henning Ohst viel zu erzählen über das oft abenteuerliche Reisen in vergangenen Jahrhunderten, das in teilweise reich bebilderten Berichten überliefert ist. Dabei werden die Reisenden von den unterschiedlichsten Gründen angetrieben, für die beispielhaft vier bis heute beliebte Ziele ausgewählt wurden: das Heilige Land, Italien, Island und Südamerika. Die reichhaltige Sammlung der Badischen Landesbibliothek bietet anhand ihrer kostbaren Dru-cke und historischen Berichte die Gelegenheit zu einer gedanklichen Reise und gibt einen Ein-blick in die ewige Faszination des Unbekannten.
28.4. – 26.5.2026, jeweils 17.30–18.30 Uhr Treffpunkt: Ausstellungsraum der Badischen Landesbibliothek
Träume, Wunder, Travelslam: Teilen Sie Ihre Reiseerlebnisse!
Bis zu zwölf Teilnehmerinnen und Teilnehmer zeigen ihre Reisefotos und berichten dazu kurz von ihren persönlichen Erlebnissen, erzählen Geschichten oder machen Musik. Das Ergebnis ist eine bunte Mischung, die einen unterhaltsamen Abend garantiert.
Anmeldung zum Präsentieren der Reisefotos unter Angabe des Reiseziels bis 30. April 2026 an kultur@blb-karlsruhe.de
Di, 12.5.2026, 19–21 Uhr Vortragssaal der Badischen Landesbibliothek
https://www.blb-karlsruhe.de/aktuelles/ausstellungen/traeume-wunder-abenteuer
Titelbild: Sorbetverkäufer in Florenz, in: Paul de Musset: Voyage pittoresque en Italie. partie septentrionale, Paris: Bellin-Leprieur & Morizot, 1854 ©Badische Landesbibliothek



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