
Vom 21. März bis zum 18. Oktober findet im Deutschen Architekturmuseum (DAM) in Frankfurt die Ausstellung : „SUBURBIA. Träume vom Eigenheim – Wege aus der Wohnungskrise“ statt.
Der »American Way of Life« hat sein Ideal vom Einfamilienhaus in der Vorstadt international verbreitet. Mit saftigem Rasen, blauem Pool und Doppelgarage inszeniert es die Vorteile des Lebens im Speckgürtel der Großstadt. Ein vermeintlich perfekter Ort, um die Kinder großzuziehen: grün, friedlich, ruhig und sicher. Das Einfamilienhaus ist die dort verbreitetste Wohnform und der architektonische Inbegriff der US-amerikanischen Lebensweise. Es spielt kaum eine Rolle, dass die Vorstädte von homogenen Gruppen bewohnt werden, von ständigem Autofahren abhängig sind, gesellschaftliche Ungleichheiten verstärken und Privilegien schützen. Der Traum der amerikanischen Suburbs ist wirkmächtig. Obwohl er immer wieder kritisiert wurde, wird er durch die aktuelle US-Politik wieder verstärkt.

Jahrzehntelang wirkten diese Wohnträume in Film, Literatur, Fernsehen und Werbung gleichermaßen faszinierend und befremdlich. Auch in Deutschland lebt etwa die Hälfte der Menschen im Eigenheim. Suburbia taucht ein in die (Bild-)Welten der US-amerikanischen Vorstadt und erzählt parallel eine Geschichte des Einfamilienhaus-Booms der deutschen Wirtschaftswunder-Jahre anhand der Zeitschrift Schöner Wohnen.

Eine Bibliothek der Hefte der 1960er- und 1970er-Jahre lädt ein zum Blättern durch die Wohnwelten der bundesdeutschen Nachkriegszeit, ihre politischen Hintergründe, Familienideologien und Konsumwelten.
Doch vor dem Hintergrund von Wohnraummangel, Klimakrise und alternder Gesellschaft steht das Versprechen von Freiheit und Wohlstand in den Vorstädten in Frage. Wie sieht also die Zukunft des Einfamilienhauses aus? Häufig nur von ein oder zwei Personen bewohnt, birgt der Bestand ein enormes Potenzial. Durch Weiterbauen statt Abriss und kluge Transformation schlummert im Einfamilienhaus-bestand ein Ausweg aus der Wohnungskrise: Durch energetische Sanierung und gezielte Erweiterung der Wohnfläche könnte auch im Umfeld von Frankfurt am Main erheblicher und bitter benötigter neuer Wohnraum entstehen.
Traum und Transformation. Das Einfamilienhaus in Deutschland
Etwa die Hälfte der Menschen in Deutschland lebt im Eigenheim. Ein Großteil der vorhandenen Einfamilienhäuser stammt aus dem Bauboom der Wirtschaftswunder-Jahre. Ihre Entstehungsgeschichte begleitete die Zeitschrift Schöner Wohnen in farbenprächtigen Homestorys. Doch welche dieser Idealbilder von Familie, Konsum und Eigentum sind heute weiterhin wirksam?
Wohnungs- und Klimakrise, alternde Gesellschaft, steigende Armut und gesellschaftliche Ungleichheit bestimmen unsere Gegenwart. Ein Mangel an bezahlbarem Wohnraum und Bodenspekulation haben Verdrängungsprozesse zur Folge, sodass Forderungen nach einer Vergesellschaftung von Wohnungen (wieder) laut werden. Auch in der Vorstadt steht vor diesem Hintergrund das einstige Versprechen von Freiheit und Wohlstand infrage. Denn wer kann sich heute noch ein ›eigenes‹ Haus leisten?
Das Einfamilienhaus ist ein Teil der Lösung. Aber wie lassen sich Gebiete mit Einfamilienhäusern so gestalten, dass sie Orte für gerechtes, nachhaltiges und diverses Wohnen werden – und welche gesellschaftspolitischen Veränderungen sind dafür notwendig? Häufig nur von ein oder zwei Personen bewohnt, ist der Bestand ein Raum vieler Möglichkeiten. Ein typologischer Ansatz zeigt, wie hier im Großraum Frankfurt zusätzliche Wohnungen entstehen könnten – durch einen einfachen Hebel, der energetische Sanierung mit einer Erweiterung der Wohnfläche verbindet.
Die kluge Transformation bestehender Einfamilienhäuser ist ein Ausweg aus der Wohnungskrise!
In Deutschland sind rund zwei Drittel der 19 Millionen Wohngebäude Einfamilienhäuser, dazu kommen fast 3 Millionen Zweifamilienhäuser. Viele entstanden in den Wirtschaftswunderjahren, prägen die Vorstädte, beanspruchen viel Fläche und sind oft energetisch ineffizient, während heute meist nur ein oder zwei Personen darin leben. Angesichts von Wohnraummangel, Kosten, Klimakrise und demografischem Wandel gerät dieses Modell zunehmend unter Druck.
Die Betrachtung ›Modelle der Transformation‹ nimmt eine architekturtypologische Perspektive ein: Sie begreift das Einfamilienhaus als räumliche Struktur mit wiederkehrenden Merkmalen, Proportionen und Organisationsprinzipien. Gerade angesichts der großen Zahl ähnlicher Häuser können übergeordnete Strategien Umbauten erleichtern. Nicht der Haustyp ist das Problem, sondern die starre Nutzung.
Als räumliche Ressource bietet der Bestand großes Potenzial für Umbau, Teilung und Nachverdichtung. So können Flächen effizienter genutzt, Leerstände aktiviert und neue Wohneinheiten im Bestand geschaffen werden. Das Einfamilienhaus ist kein Auslaufmodell, sondern ein vielversprechender Umbaufall.

Titelbild: Untitled (Elsa). Series Left Behind, 2005, Angela Strassheim; Courtesy of the artist



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