
Von Andrea Dittgen
Sein neuer Tatort „Die Schöpfung“ (WDR), der in der noch nicht fertig sanierten Kölner Oper spielt, ist einer seiner besten: Doch zurzeit kann man so viele Tatorts wie noch nie in der ARD-Mediathek sehen, die der 1968 in Contwig bei Zweibrücken geborene Autor Wolfgang Stauch geschrieben hat. Stauch ist ein Routinier, aber einer, der immer wieder mit humorvollen Dialogen und nicht alltäglichen Geschichten positiv auffällt. Dabei begann er eigentlich ganz anders – im Suhrkamp Verlag mit seiner Erzählung „Eine schlechte Geschichte“ (1992), die sofort den Pfalzpreis bekam. Doch sein zweites Buch, der Krimi „Brubecks Echo“, war nicht so erfolgreich. Durch Zufall kam er als Germanistikstudent in Saarbrücken dazu, Krimidrehbücher für RTL mit einem anderen Autor zu schreiben.

Die KTU-Leiterin Natalie Försten (Tinka Fürst) hat den zweiten Leichnam untersucht. Und auch hier ist der Fundort nicht Tatort, erklärt sie Kommissar Freddy Scheink (Diermar Bär). Bei dem Toten handelt es sich um den Schuhmacher Willi Köpke (Aljoscha Stadelmann).
© WDR/Thomas Kost
Zwar sind Drehbuchautoren in der Öffentlichkeit nicht so bekannt wie die Stars, für die sie schreiben, aber ohne Drehbuch kein Film. Stauchs erster Erfolg war der Zweiteiler „Der weiße Afrikaner“ (2005). So richtig los mit den Krimis ging es mit „Hase und Igel“ mit Christoph Waltz (2007, Serie „Unter Verdacht“). 2012 kam sein erster Tatort. Als Drehbuchautor hat er nur mit wenigen Personen zu tun, mit dem Fernsehredakteur, dem Produzenten, dem Regisseur. Gerade wird sein fünfter Kölner Tatort mit dem Titel „Der Glücklichmacher“ gedreht (die Titel denkt er sich auch aus), „den sechsten entwickeln wir gerade“, sagt Stauch. „Ich bin einer der Letzten, der Drehbücher schreibt, ohne eine Drehbuchschule besucht zu haben“, weiß er.
Ein halbes Jahr braucht er meistens für ein Drehbuch von 90 Seiten, eine Minute im Film ist etwa eine DIN-A4-Seite im Drehbuch. Aber von jedem Drehbuch gibt es mehrere Fassungen, bis es der Redaktion gefällt und diverse Vorgaben erfüllt sind. Denn beim Schreiben muss man schon an die Kosten des Drehs denken. „Dinge, die ausgeleuchtet werden müssen, kosten wahnsinnig viel Geld“, sagt Stauch. So seien aus Kostengründen die Polizeipräsidien von Köln, Dortmund, Münster und die Rechtsmedizin Münster im selben Haus untergebracht. Und Stauch fügt hinzu: „Ein Drehbuch ist eigentlich nie fertig“. Beim Schreiben weiß man nicht, wie das Haus aussieht, in dem das meiste spielt. Da schreibt man einen Pool ins Drehbuch und dann gibt es keinen, man muss umschreiben. Oder eine Figur fällt weg. „Drehbuchschreiben ist immer eine Herausforderung“, findet Stauch. – So gern er Krimis schreibt, der schon länger in Berlin lebende Autor will wenigstens einmal noch zurück zum klassischen Buch: Der Anfang für ein Science-Fiction-Jugendbuch ist schon gemacht, verrät er.

David Deycks (Marcel Jacqueline Gisdol) und Valerie Schmitt (Hannah Schiller) proben gemeinsam für eine Metal-Oper.
© WDR/Thomas Kost
Tatorte, zurzeit in der ARD-Mediathek: „Die Schöpfung“ (WDR, 2026) mit Klaus J. Behrendt und Dietmar Bär, „Ex-It“ (SWR, 2026) mit Richy Müller und Felix Klare, „Diesmal ist alles anders“ (WDR, 2024) mit Bär und Behrendt, „Côte d’Azur“ (SWR, 2015) mit Eva Mattes, „Das Wunder von Wolbeck“ (WDR, 2012) mit Axel Prahl und Jan Josef Liefers. Außerdem: „Hexen brennen“ (Polizeiruf 110, MDR, 2022) und „Crash“ (Polizeiruf 110, MDR, 2018) mit Claudia Michelsen.
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Titelbild: Drehbuchautor Wolfgang Stauch © Foto: Andrea Dittgen



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