
„Kunst zu machen war nicht Hauptbestandteil meines Lebens“ – diese zunächst verwunderliche Aussage ist von Ute Ritschel zu hören, die an diesem Abend genau zu diesem Zweck in der Gallery Puzić ist – um als Künstlerin ihre Performance mit dem Publikum zu teilen. Lange Zeit sah sie sich selbst eher als Kuratorin. Dass sie Künstlerin sei, darauf ist sie erst in einem jahrelangen Prozess gekommen: „Jetzt geht es nicht mehr anders, jetzt bin ich doch auch Künstlerin.“
Ihre Naturkunstprojekte, die sie seit 1995 in aller Welt durchführt und für die sie zahlreiche Preise gewonnen hat, haben Ritschel schließlich nach Südkorea geführt: nach Wongol, dem zentralen Standort des Künstlerhauses und des internationalen Residenzprogramms der südkoreanischen Naturkunst-Gruppe Yatoo. Während ihrer Zeit in Wongol hat sie zunächst die Schönheit von Sesamblättern und schließlich auch Sesamsamen selbst entdeckt. Von Dukkah über Tahin bis hin zu Halva dient der Sesam der Künstlerin nun in allen Aggregatzuständen für ihre Performances.
Anknüpfend an die aktuell laufende Ausstellung von Werken japanischer, chinesischer, südkoreanischer und indischer Künstler in der Gallery Puzić ist am 22.9. aus ihren Erfahrungen in Südkorea die „Sesame Treat – Eat Art Performance“ entstanden: Kunst darf nicht nur angesehen, nicht nur berührt, sondern mit großem Appetit genossen werden. Während sie von ihrer Zeit im Künstlerdorf erzählt, entsteht Wongol vor den Augen der Gäste; Berge und Täler aus Reis, Flüsse aus weißem und schwarzem Sesam und Brücken aus Nori-Blättern. Schließlich ist das Kunstwerk vollendet und die Gäste sind gefragt: Wongol wird in all seiner Pracht verspeist.
Fotos: Magdalena Lambert




Schreibe einen Kommentar