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Kritik: Saarländisches Staatstheater – Napoleon im Fünferpack

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Regiestar Armin Petras mit einer Uraufführung über Frankreichs Nationalhelden

Von Burkhard Jellonneck

Armin Petras ist immer für eine Überraschung gut. Sonst hätte es für den Regiestar auch nicht Jahrzehnte lang Einladungen von den wichtigsten Bühnen dieser Republik bis hinauf zum Berliner Theatertreffen gegeben. Auch weil er sich an ungewöhnliche Stoffe heranwagt. So wurde ob seiner persönlichen Freundschaft zu Saarbrückens Oberspielleiter Christoph Mehler auch gleich ein Schuh draus: Petras schrieb ein neues Stück über einen der wichtigsten Protagonisten der Weltgeschichte, liegen doch die letzten Stücke zu Napoleon weit über ein Jahrhundert zurück. Und Petras blieb sich treu, verteilte er doch die Rolle des französischen Nationalheiligen gleich auf vier Schauspieler und eine Schauspielerin.

Geht das überhaupt? Nun, Petras hat 5 Lebensabschnitte Napoleons ausgemacht, vom jungen, von Idealen beseelten Korsen (erfrischend draufgängerisch John Armin Sander), der den Revolutionshelden Robespierre hasst, sich in seine Joséphine (Gaby Pochert mal liebedienerisch, aber auch herausfordernd) verliebt und zum erfolgreichen französischen Feldherrn des Italienfeldzuges aufsteigt. Doch schon der militärische Ausflug nach Ägypten fordert große Verluste und bringt angesichts der immer stärkeren Gegenwehr europäischer Staaten von Großbritannien bis Preußen die ersten Dellen in das glänzende Bild des Schlachtenlenkers (Sébastien Jacobi). Mit dem Kriegseintritt Russlands erlebt Napoleon dann eine katastrophale Niedderlage. Werner Michalek gibt diesen gealterten Napoleon überzeugend: ausgebrannt und nahezu hilflos. Nach seiner Verbannung nach St. Helena forciert Bernd Geiling als gescheiterter Napoleon in Tennissocken und Adiletten das Endspiel, ein Verlorener am Ende seiner Träume. War der Absturz zu vermeiden? Für Napoleon gibt es nur für Bürokraten und Opportunisten ein Durchkommen in der damaligen Welt, keine Einsicht in seine letztlich verspielte Chance im Weltgeschehen. Auf seine Berater konnte er sich nicht verlassen. Gregor Trakis glänzt als aalglatter Talleyrand, verschlagen sein eigenes Ding machend. Ebenso Wolfgang Michalek als Polizeiminister Fouché, ein Technokrat, der über Leichen geht. Napoleon wollte weg vom Feudalstaat hin zu nationalstaatlichen Lösungen und verlief sich doch auf den Irrweg des Nationalismus. Diese Frage, ob das Drama vermeidbar war, beantwortet Petras nicht, aber von diesem opulenten, fast dreieinhalbstündigen Theaterabend bleiben eindringliche Bilder (Bühnenbild: Julian Marbach, Video: Maria Tomoiagâ) mit Schlachtenlärm und wehenden Nationalfahnen hängen. Und die Bezüge zu den aktuellen Auseinandersetzungen, sei es im Iran, sei es in der Ukraine. Nicht zu vergessen die beeindruckende Inszenierungen seiner Erfolgsgemälde auf der Bühne. Hundertfach gemalt, zeugten sie von Glanz und Gloria der Herrschaft Napoleons. Die Fake News heutiger Tage lassen grüßen!

www.staatstheater.saarland

Die nächsten Termine im Staatstheater:

  1. (18 Uhr), 27.01. (19.30 Uhr), 03., 06., 13., 27. Februar (alle 19.30 Uhr)
  2. (19.30 Uhr), 22. März 2026, (18.00 Uhr), 09. und 22. Mai, jeweils 19.30 Uhr

Titelbild: Den fünffachen Napoleon geben in Saarbrückens Uraufführung (von links): Anna Jörgens, John Armin Sander, Wolfgang Michalek, Sébastien Jacobi und Bernd Geiling © Martin Sigmund, Saarländisches Staatstheater

Filed Under: Kritik Tagged With: Bühne

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