
Von Katinka Fischer aus OPUS 118
Dass Dogmen sie befremdeten, zeigte sich schon in der Schule: Wegen Aufsässigkeit schmiss man die Sechzehnjährige dort kurzerhand raus. Das war 1923. Nach 1937, als Leonor Fini (1907–1996) zum Kreis von Salvador Dalí, Max Ernst, Man Ray und anderen führenden Surrealisten gehörte, war sie souverän genug, deren Manifeste abzulehnen. Trotzdem erging es ihr wie vielen Künstlerinnen jener Zeit: Zu Berühmtheit brachten es vor allem ihre männlichen Kollegen.
Spät, aber nicht zu spät ändert sich dies nun in der Frankfurter Kunsthalle Schirn. Dort hat man der 1907 in Buenos Aires geborenen Italienerin die erste große Ausstellung in Deutschland eingerichtet. Die von Ingrid Pfeifer kuratierte Schau präsentiert rund 100 Gemälde, Zeichnungen, Fotografien und Objekte, die einen Einblick in das faszinierende Œuvre der von Renaissance, Symbolismus, deutscher Romantik und magischem Surrealismus beeinflussten Autodidaktin geben. Trotz ihrer Nähe zum Surrealismus blieb Fini unabhängig und entwickelte eine unverwechselbare Bildsprache zwischen Traum, Mythos und theaterhaften Inszenierungen. Trotz ihres altmeisterlichen Stils war sie ihrer Zeit damals weit voraus. So wird ihr Personal dominiert von Priesterinnen, Sphingen und anderen hybriden Gestalten, die klassische Geschlechterrollen umkehren und damit sehr aktuelle Fragen stellen.
23.10. bis 21.2.27
http://schirn.de
Foto
Leonor Fini: Les Fileuses (1954), Öl auf Leinwand, 65 x 121 cm Privatsammlung © VG Bild-Kunst, Bonn 2026, Foto: Estate Leonor Fini, Paris



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