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Kritik: „Die Liebe zu den drei Orangen“ am Saarländischen Staatstheater:

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Die Liebe zu den drei Orangen

red. Es war ein Saisonauftakt nach Maß: das saarländische Staatstheater startete fulminant mit der Oper „Die Liebe zu den drei Orangen“ von Sergej Prokofiev in die neue Saison. Die abwechslungsreiche, vielseitige Oper wurde von Regie, Technik, Orchester und SolistInnen und dem von Mauro Barbierato hervorragend, einstudierten Chor durchweg erstklassig auf die Bühne gebracht.

Es ist eine schillernde, märchenhafte Geschichte, die Prokofiev als erstes Auftragswerk nach seiner Auswanderung in die Vereinigten Staaten von Amerika zum Jahresende 1921 im Auditorium Theatre von Chicago zur Uraufführung bringt. Es ist eine Oper mit klarer, akzentuierter und immer wieder überraschender Musik. Das brillant aufspielenden Saarländischen Staatsorchester unter bewährter und hochkompetenter Leitung von Justus Thorau meistert die komplexen Herausforderungen der Partitur souverän und erweist sich als glanzvolle Stütze und Umrahmung des Bühnengeschehens.

Das Vorspiel zur Oper startet mit echtem Klamauk: Mitglieder des Chors streiten neben den Zuschauerinnen, rechts vor der Bühne und links im ersten Rang darum, ob die Oper, eine Tragödie, eine Komödie eine Liebesgeschichte oder schlichte Unterhaltung bieten soll. Das geht unentschieden aus, das anschließende Märchen auf der Bühne bietet von alledem etwas.

Der König Treff, ein exzentrischer Sonderling, superb verkörpert von Thomas Schnabel, hat große Sorgen wegen seines Thronfolgers, des Prinzen (souverän und mit exzellenter Stimme: Taejun Sun) der hypochondrisch an einer tiefen Depression leidet und sein Leben lustlos im Bett verbringt. Er weist alle Versuche, ihn zu erheitern, schnöde zurück. Die rettende Idee: gelänge es, den Prinzen zum Lachen zu bringen, so wäre er geheilt. Der Hofnarr Truffaldino, glänzend und mit Hingabe gesungen und gespielt von Benjamin Lee, wird auf Empfehlung des königlichen Beraters Pantalon (Jancheng Cheng) mit dieser heiklen Aufgabe betraut.

Aber seine Versuche mit Festen und Lustbarkeiten lassen den Prinzen unbeteiligt und ohne Regung im Bett zurück.

Clarissa, die Nichte des Königs (darstellerisch und gesanglich überzeugend: Clara-Sophie Pietsch), und der Ministerpräsident Leander (wie immer perfekt: Markus Jaursch) haben ein Komplott geschmiedet. Sie wünschen sich, da ss der Prinz stirbt und sie das königliche Erbe antreten können. Ihnen zur Seite steht die Zauberin Fata Morgana, die sich -als alte Frau verkleidet in das Festgeschehen am Königshof eingeschlichen hat, um Unruhe zu stiften. Sie wird jedoch von Truffaldino entdeckt. In einem Gerangel mit diesem stürzt sie zu Boden und strampelt mit den Beinen. Das bringt den Prinzen zum Lachen und mit ihm lacht der ganze Hof. Endlich ist er gesund. Aber die Zauberin rächt sich mit einem Fluch: Der Prinz entbrennt in Liebe zu den drei Orangen, so sehr, dass er sie unbedingt an sich bringen muss. Sie werden auf Schloss Kreonta von der mit einem tödlich-gefährlichen Kochlöffel bewaffneten Zauberköchin bewacht. Der Zauberer Tschelio (tolle Performance, auch als Komiker kaum zu überbieten: Benedict Nelson) streitet mit dem in Doppelrolle als Zauberer Farfarello agierenden Yancheng Chen, der den Prinzen und Truffaldino zum Schloss Kreonta gezaubert hat .

Dort kommt es rasch zur Begegnung mit der Zauberköchin (trefflich dargestellt von Hiroshi Matsui, dem langjährigen Ensemblemitglied des Hauses), die gefährlich mit dem Kochlöffel fuchtelt. Aber Truffaldino gelingt es, die Köchin mit einem Zauberband abzulenken. Der Prinz greift sich rasch die drei Orangen und tritt mit seinem Beschützer den Heimweg an. Sie müssen eine Wüste durchqueren und sind kurz vorm Verdursten. Truffaldino öffnet zwei Orangen, aber statt labendem Saft zu spenden, purzeln die Prinzessinnen Linetta ( Clara-Sophie Pietsch) und Nicoletta (die profiierte Kammersängerin, Judith Braun, die auch Smeraldine gibt, die den Thronaspiranten, Leander und Clarissa zur Seite steht). Beide Prinzessinnen lechzen verzweifelt nach Wasser und verdursten rasch.

Als der übermüdet eingeschlafene Prinz aufwacht, öffnet er die dritte Orange, der die wunderbare Prinzessin Ninetta ( Margot Genet) entsteigt, die – so sagt sie- ihr ganzes Leben lang auf den Prinzen gewartet hat. Mit ihrem liebreizenden, betörenden Gesang erobert sie das Herz des Prinzen im Sturm. Die beiden werden ein glückliches Paar. Aber Vorsicht: mitten in die Hochzeitsvorbereitungen platzt ein Zauberakt von Fata Morgana, die die Prinzessin in eine Ratte verwandelt. Aber der Zauberer Tschelio bringt Ordnung ins Chaos und verwandelt die Ratte wieder in die Prinzessin. Die Intriganten, Leander, Clarissa und Smeraldine werden Vom König zum Tode verurteilt, Dank Fata Morgana gelingt ihn jedoch die Flucht. Der Hof feiert Hochzeit mit der Königsfamilie, Happy End.

Zweieinhalb Stunden sind wie im Fluge vergangen, die Inszenierung von Tom Gerber und das einfallsreiche Bühnenbild von Ralf Zeger, das allen ProtagonistInnen optimale Entfaltung ermöglicht, mit präziser und differenzierter konturenschärfender Beleuchtung (Patrik Hein). Die Kostüme U(Jannick Kurz) charakterisierten die Sängerinnen und Sänger in ihren unterschiedlichen Rollen einleuchtend und präzise.

Insgesamt ein großes Theatererlebnis. Das begeisterte Publikum dankt mit langanhaltenden Beifall.

Titelbild: © Foto: Kaufhold

Filed Under: Allgemein, Kritik Tagged With: Bühne

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