
Von Kurt Bohr
Wieder einmal ist es der Tanzsparte des Staatstheaters gelungen, in der Premiere am 24. Oktober einen faszinierenden Tanzabend zu gestalten, mit zwei Gastchoreografinnen und dem vom Chef der Saarbrücker Tanztruppe Stijn Celis kreierten Werk „Groove“.
Es begann sehr intensiv und verdichtet mit „Interval“, der Choreografie von Anna Konjetzky. Zu der sperrigen, harten und in der Gesamtwahrnehmung nur rhythmisch differenzierten zeitgenössischen Musik von Stavros Gasparatos zeigten acht ProtagonistInnen eine stimmige und nahezu perfekte tänzerische Interpretation: jeweils vier Tänzerinnen und Tänzer boten mit scharfkantigen und ruckartigen Bewegungen, die immer den gesamten Körper erfassten, eine passende Performance zu der lärmigen Musik. Die zweite Hälfte dieser Transformation verharrte in ähnlicher Körperhaltung wie die erste, aber ohne Bewegung. Beide Gruppierungen wechselten sich in regelmäßigen Intervallen ab. Die Choreografin spricht von Höhepunkten, die sich mit Stationen und Rückschritten abwechseln. „Interval“ arbeite sich „an wiederkehrenden Widrigkeiten ab, am Hängenblieben und Verharren“, aber auch am „Wiederfinden an anderer Stelle mit Neustart“. Die acht Mitglieder der Saarbrücker Tanztruppe in den künstlerisch überzeugenden Kostümen von Michiel Keuper zeigten sich den Herausforderungen des Stücks bestens gewachsen. Das gilt auch für Licht und Video von Joscha Eckert.

Das zweite Stück des Tanzabends, „Groove“, hat der Saarbrücker Ballettchef Stijn Celis choreografiert. Bei Groove geht es um die Interpretation und das spezifische Rhythmusgefühl von drei Musikstücken, nämlich „Troy“ (Sinéad O‘Connor), „Gothenburg“ (Lorenzo Bianchi Hoesch) und „Your Silent Face“ (New Order); drei Tänzerinnen verschmelzen quasi zu einer Einheit. Das zweite, etwas rauere Musikstück stört die Harmonie nur kurz und wird von dem dritten Stück rasch wieder überwunden. Dazu passt nahtlos die überzeugende tänzerische Leistung der Interpretinnen. Auch hier großer Beifall, der auch in der glanzvollen abstrakten Gestaltung des Bühnenbilds von Dirk Rausch und den passenden Kostümen von Claudia Vogel galt, beide aus Saarbrücken und in der Zusammenarbeit mit Stijn Celis bestens bewährt.

Das dritte Tanzstück des Abends, „V la Vie“, choreografiert von Adi Salant zur Musik von Zacharry David Frizelli („Somnium“) und Moon Ate the Dark („Messy Hearts“), war ein wahrer Gipfel an Harmonie. Zwölf Tänzerinnen und Tänzer bewegen sich so sanft , angenehm und ohne Aggression miteinander und umeinander herum und verkörpern ideal die Vorstellungen der Choreographin von „unsichtbaren Netzwerken“, die uns Menschen verbinden und die „Empfindungen und Informationen transportieren“. Adi Salant möchte durch ihre Choreographie „den Schnittpunkt zwischen unserem inneren Geflecht und der Welt um uns herum“ zum Ausdruck bringen. All das konnte Adi Salant optimal in Bewegung umzusetzen und im Gedächtnis verankern.
Für sämtliche an diesem Tanzabend aufgetretenen Tanzformationen darf festgehalten werden, dass sie sich dank der hochprofessionellen Vorbereitung durch Ballettmeisterin Eri Iwasaki und Ballettmeister Claudio Schellino in Top-Form präsentierten. Das harmonische Bühnenbild schuf Katharina Krause, die mit dem Tanz harmonierenden Kostüme entwarfen Adi Salant und Cordula Erlenkötter. Für die Beleuchtung der beiden letzten Stücke zeichnete sich Björn Schöck mit makelloser Lichtführung verantwortlich.
Nach jeder Vorstellung lang anhaltender begeisterter Beifall vor nahezu ausverkaufter Kulisse.
Titelbild: Interval: Alva Inger Armenta, Sidney Ramsey, Rose Bleasdale © Pedro Malinowski



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