
Von Burkhard Jellonnek
Sogenannte Effektenkammern gab es in allen Konzentrationslagern der SS. Aufbewahrungsort für die letzten Habseligkeiten, die die Häftlinge auf den Transport mitnehmen durften. Eheringe und weiterer Schmuck, Uhren, Füllfederhalter zum Beispiel. Viele dieser Erinnerungsstücke haben die Arolsen Archives zusammengetragen, größtes Dokumentenarchiv auf bundesdeutschem Nachkriegsboden.
In einem begehbaren Überseecontainer werden diese Fundstücke erstmals im Saarland vor dem historischen Saarbrücker Schloss gezeigt. Hier war einst die Zentrale der Saarländischen Gestapo. Heute ist das Schloss auch Sitz des Historischen Museums Saar, das die laufende Ausstellung nach Saarbrücken geholt hat. Unterstützt wird das Historische Museum vom Netzwerk „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“, dem Bildungscampus Saarland sowie der hiesigen Landeszentrale für politische Bildung.
20 Biographien wurden aufbereitet, auch in der Hoffnung, die rechtmäßigen Besitzer von einst und ihre Familien noch ausfindig machen zu können. Darunter auch den aus Forbach stammenden Bergmann Josef Altmeyer, Vater von sechs Kindern, der nicht für die Wehrmacht in den Krieg ziehen wollte und im August 1944 von der Gestapo in Saarbrücken verhaftet wurde. Am 23. Oktober wurde er in das KZ Dachau deportiert, das er glücklicherweise überlebte. Seine hinterlassenen Effekten konnten zwischenzeitlich der Familie übergeben werden.
Gleiches gilt auch für den am 24. Dezember 1921 geborenen, polnischen Zwangsarbeiter Kasimierz Zot. Angeblich freiwillig nach Deutschland zur Arbeitsleistung gefahren, lebte und arbeitete er bis Oktober 1944 in einem Zwangsarbeiterlager für die „Kohlen-Union Schönbucher“, anschließend in der „Hansa Konservenfabrik Koch & Mann“ im rheinland-pfälzischen Grünstadt. Laut einer Karteikarte der Ausländerpolizei erhängte er sich am 19. Februar 1945 angeblich „wegen Liebeskummer“. Auch hier konnten Angehörige informiert und mit den Effekten versorgt werden.
Die Ausstellung „Stolen Memories“ ist vom 8.8. bis 1.9.26 vor dem Saarbrücker Schloss zu sehen. Der Eintritt ist frei. Weitere Informationen sind auf der Website des Historischen Museum Saar zu finden.
Titelbild: Aus der Effektenkammer: Hab und Gut von Wieslama Brzyś aus Polen © Arolsen Archives



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