
Die 33. Ausgabe der Konzertreihe „Musik-Salon am Sonntag“ präsentiert: „Lazarus“ – Franz Schuberts selten aufgeführte Auferstehungs-Kantate zum Palmsonntag
Mit Astrid Hensler (Sopran), Ralf Peter (Tenor, Konzeption) und Thomas Layes am Flügel
Sonntag, 29. März 2026, 17 Uhr, Maria-Magdalenen-Kirche/Gemeindezentrum Eschberg, Magdeburger Str. 76, 66121 Saarbrücken – Der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten!
Mit gerade einmal 23 Jahren komponierte Franz Schubert im Februar 1820 die bestaunenswerte Osterkantate „Lazarus oder: Die Feier der Auferstehung“. Wie ein nicht fertig geschliffenes Juwel blieb sie unvollendet. Sie handelt nach dem Johannes-Evangelium vom Tod (aber nicht mehr von der Auferweckung) des Lazarus von Bethanien – zu Beginn der Passion Christi ein Vorzeichen für die spätere Auferstehung.
Wir erleben die letzte Stunde eines Sterbenden, umgeben von Geschwistern und Freunden, als eine minutiöse Gefühlsstudie zwischen Zuversicht und Verzweiflung. Das Libretto stammt von August Hermann Niemeyer, einem bedeutenden Theologen, Pädagogen, Kirchenlied-Dichter, Reiseschriftsteller und preußischen Bildungspolitiker.
Obwohl Schubert schon mit 31 Jahren starb, hat er ein ungeheuer vielseitiges Werk hinterlassen, mit über 600 Liedern, weltlicher und geistlicher Chormusik, 12 Sinfonien, Ouvertüren, Klavier- und Kammermusik sowie Bühnenwerken. Schuberts heute unbestrittene Bedeutung als Pionier der frühen Romantik wurde erst nach seinem Tod erkannt. So stellt auch der dreiaktige „Lazarus“ eine ungewöhnliche Mischung aus Kantate, Oratorium und einer Art geistlichen Oper dar. Schubert brach die Komposition mitten im zweiten Akt bei Lazarus‘ Grablegung ab; eine Aufführung fand erst 1863 statt.
Der 1. Akt das „Lazarus“-Fragments zeigt einen Garten vor einem Landhaus. Lazarus wird in seiner letzten Stunde von seinen Schwestern zur Blumenwiese unter einen Palmbaum geführt, wo er sich noch einmal an der Schöpfung erfreuen will. Martha ist verzweifelt, Maria voller Zuversicht im Glauben. Er bittet beide, nicht um ihn zu weinen. Es kommen Freunde hinzu, um den Sterbenden tröstend zu begleiten. Nathanael (der Apostel Bartholomäus) bringt eine Nachricht von Jesus, dass sein Freund nicht sterben werde. Jemina, ein in der Bibel nicht namentlich genanntes Mädchen, berichtet von ihrer Auferweckung. Lazarus stirbt ruhig. – Der 2. Akt zeigt zwischen Palmen und Zedern eine grüne Flur voller Grabsteine. Vor einem offenen Grab zweifelt der Sadduzäer Simon in Panik und Todesangst die Auferstehung der Seele an. Nathanael versucht ihn zu beruhigen. Lazarus wird beerdigt und betrauert. Mitten in Marthas todessehnsüchtiger Klage reißt die Komposition ab. – Der 3. Akt mit Lazarus‘ Auferweckung und Wiederkehr bleibt unvertont.
Schuberts etwa 70-minütiges Fragment ist für sechs Solisten, Chor und Orchester geschrieben und umfasst 27 Nummern, darunter 6 Arien, 2 Chöre, eine instrumentale Einleitung und zahlreiche Ariosi sowie begleitete Rezitative, die oft fließend ineinander übergehen. Die Musikwissenschaft diskutiert, wieso das Werk unvollendet blieb: War Schubert zwar vom Sterbe-Thema der beiden ersten Akte angezogen, fand aber dann zur Auferstehung kein Verhältnis mehr? Oder überforderte er sich mit der strukturellen Mehrdeutigkeit kleinster Motive bei der Gestaltung großer Abläufe? Gerade derentwegen weist sein Fragment weit in die Zukunft, als halbfertiges Musterstück eines hochkomplexen musikdramatischen Formwillens von überirdisch funkelndem Klangzauber!
In der eigens für Palmsonntag auf dem Eschberg konzipierten Konzertversion mit Bild-Projektionen und Texteinschüben interpretieren die Sopranistin Astrid Hensler und der Tenor Ralf Peter sowie Thomas Layes am Flügel Schuberts selten aufgeführte, tief bewegende Todesbetrachtungen.
Die Konzertreihe „Musik-Salon am Sonntag“
serviert neugierigen Ohren pünktlich zum Five O’Clock eine Melange aus Bekanntem und Rarem, häufig garniert mit informativen Plaudereien.
PRESSE: „inzwischen mit Kultstatus veredelt“ (Martina Krawulsky, SZ); „eine der wenigen Veranstaltungen mit klassischer Musik, die sich tatsächlich einen gewissen Kultstatus erspielt hat.“ (Susanne Brenner, SZ)
Titelbild: (vlnr) Ralf Peter, Thomas Layes, Astrid Hensler © privat



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