
Saarländisches Staatstheater, Tanzfestivals 2026
Cinderella von Sergej Prokfvjev, Choreografie Stijn Celis
Ein Auftakt nach Maß
Von Kurt Bohr
Es war eine herausragende, in jeder Hinsicht bestens gelungene Premiere, mit der Ballettdirektor Stijn Ceelis das diesjährige Tanzfestival der Saarländischen Staatstheaters eröffnete. Mit langanhaltendem Beifall, Jubel und Standing Ovations feierte das Publikum das von Celis in einer neuen Fassung seine bereits 2003 erstmals im kanadischen Montréal auf die Bühne gebrachte Choreografie
Cinderella ist als Handlungsballett ein wahres Glanzstück der Musik, in dem der berühmte russische Komponist die Gefühle, Motive und Haltungen der ProtagonistInnen trefflich zu charakterisieren weiß. Celis, dessen Engagement am Staatstheater vor wenigen Tagen um vier Jahre verlängert wurde, bereichert diese Ballettmusik um einen Auszug aus dem Marsch aus PrpkofievsOper, „Die Liebe zu den drei Orangen“ sowie kurze pop-ähnliche Stücke von Arthur Hammerstein/ Dudley Wilkinson und Raul Ferraõ. Das Saarländische Staatsorchester zeigt sich unter der bewährten Stabführung des stellvertretenden Generalmusikdirektors Justus Thorau In Bestform und erweist sich in gekonnter und präziser Interpretation dieser eleganten und zugleich akzentuierenden Musik als idealer Begleiter des Tanzes auf der Bühne.
Stijn Ceelis Choreografie passt wie aus einem Guss zu der hinreißenden Musik von Prokofjew. Sein Tanzensemble, das keinen Vergleich zu scheuen braucht, konnte restlos überzeugen.
Sidney Ramsey‘s Cinderella wird von Celis als selbstbewusste junge Frau präsentiert, die ihren Weg geht und sich trotz seines Wankelmutes mit dem etwas hilflos wirkenden Prinzen (einfühlsam in seiner Zerrissenheit: Marco Marangio) einlässt, der mit seinen Frauenschuhen auf Brautschau ist. Sie brilliert mit tänzerischer Eleganz und höchster Präzision in ihrem strahlend schönen roten Kleid und vermag auch ihre Gefühle und Regungen schauspielerisch Überzeugend darzustellen. Sie hat zwar in ihrem Vater (gefasst, ruhig und beschützend: Nicola Strada), der sie beschützen will, ist aber gleichzeitig der Eifersucht und der Bösartigkeit ihrer Stiefmutter und ihrer beiden Stiefschwestern ausgesetzt, die – perfekt und unerbittlich – von männlichen Darstellern (Nobel Laikaev (Stiefmutter) und Colin Jacobs sowie Daniel Paula (Stiefschwestern) verkörpert werden, die ihrerseits den Prinzen erobern wollen. Sie mischen sich un die Beziehung ein und zerren sie aus seinen Armen. Gedemütigt zieht sie sich zurück, vergibt aber dem Prinzen bei ihrer nächsten Begegnung seinen Wankelmut und sie werden ein Paar.
Sehr eindrucksvoll agiert auch Shawn Throop als Bote mit den zwei Tauben, die uns aus dem Märchen Aschenputtel geläufig sind, das sie ermutigen, den Ball des Prinzen zu besuchen.
Ceelis lässt nichts aus von dem bekannten Märchen Aschenputtel, setzt jedoch eigene, nachvollziehbare Akzente zur Charakterisierung der ProtagonistInnen und bringt sogar die verstorbene Mutter (einfühlsam: Zarah Beatty) ins Spiel, der der Vater wegen der offenbar schwierigen neuen Beziehung heftig nachtrauert.
Absolut präzise und ausdrucksstark begleitet das Ensemble die SolistInnnen. Für die perfekte Einstudierung des Tanzensembles verdienen Eri Iwasaki und Claudio Schellino hohes Lob.
Die Kostüme ( Catherine Voeffray) – ausgenommen der Eyecatcher des schönen roten Ballkleides von Cinderella – sind wir weitestgehend von zeitloser Eleganz und lassen dem Tanz den Vorrang.
Das Bühnenbild (Stijn Ceelis) beschränkt sich wohltuend auf wenige Requisiten, auf die sich die TänzerInnen teils stützen, teils sich dahinter verstecken.
Für die exzellente Ausleuchtung zeichneten Friedrich Wirth und Björn Schöck verantwortlich



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