
Nach bald 15 Jahren geht der Direktor des Trierer Museums am Dom in den Ruhestand
Von Eva-Maria Reuther
„Fortiter in re, suaviter in modo“. Klar und zielgerichtet in der Sache, aber sanft in der Ausführung: Das lateinische Zitat bringt auf den Punkt, was Markus Groß-Morgens Schaffen im Wesen kennzeichnet. Nach bald 15 Jahren als Direktor des Trierer Museums am Dom, dem Bischöflichen Dom- und Diözesanmuseum, tritt der Theologe und Kunsthistoriker an diesem 1. März in den Ruhestand.
Wer mit dem langjährigen Museumschef zu tun hatte, begegnete stets einem freundlichen, aufgeschlossenen und kenntnisreichen Mann, der für seine Sache brannte und bis zuletzt das Museum mit seinen Kunstschätzen als einen „wunderbaren Arbeitsplatz“ betrachtete. Der gebürtige Saarländer, der in Trier und München Theologie und Kunstgeschichte studierte, trat nach einem theologischen Orientierungsjahr 1987 eine Stelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter im damaligen Bischöflichen Dom- und Diözesanmuseum an. Ab 2011 leitete er das Museum, zunächst kommissarisch, seit 2012 als offizieller Museumsdirektor.
Die Lust am eigenen Gestalten war dem neuen Museumschef von Anfang an eigen. Ebenso war er sich stets der Bedeutung des Hauses für das Bistum und die Region bewusst. Klar erkannte er allerdings auch die Herausforderungen, denen es sich zu stellen galt, in einer Zeit, in der das Geld immer knapper wurde und die Kritik an den christlichen Kirchen immer lauter. Der Herausforderungen waren viele. Der schöne klassizistische Bau mit seinen Anbauten war in die Jahre gekommen und erforderte umfangreiche Sanierungsarbeiten. Die personelle Ausstattung war knapp. Einsparungen im Etat und schließlich Corona machten dem Museum zu schaffen. Dazu kamen steigende Energiepreise und Unterhaltskosten. Groß-Morgen und sein Team hielten all dem stand. Entschlossen führte der Museumschef das Museum gemeinsam mit seinem Team in eine neue Ära, gemäß seiner Überzeugung: „Nichts geht über die Begegnung mit dem Original.“
Besucherfreundlich änderte er den Namen in „Museum am Dom“. Mit neuen Angeboten öffnete sich das Haus für ein breiteres Publikum und band es an sich. Etabliert wurde die Museumspädagogik. Zahlreiche Highlights sorgten für überregionale Beachtung und Glanz im Museumsalltag – darunter die Teilnahme an der erfolgreichen rheinland-pfälzischen Landesausstellung „Der Untergang des römischen Reichs“.
Ein weiterer Höhepunkt war die Ausrichtung einer wissenschaftlichen, international besuchten und wahrgenommenen Tagung, einschließlich einer prächtigen Publikation zum berühmten Andreas-Tragaltar, einem Meisterwerk ottonischer Goldschmiedekunst im Trierer Domschatz. Die Tradition zu bewahren und sich dennoch Neuem zu öffnen, darin bestand die Strategie des Museumsdirektors. Weiterhin betrachtete er das kirchliche Museum mit seiner christlichen Kunst gleichermaßen als Ort der Verkündigung wie als einen Ort der Bildung und des kulturellen Gedächtnisses, an dem die Zeugnisse einer langen Kirchengeschichte bewahrt und gesammelt wurden.
Aber auch nach vorn und nach draußen blickte Groß-Morgen. Der zeitgenössischen profanen Kunst öffnete er immer wieder in Ausstellungen die Türen. Die Bildnisse der Kunstschaffenden waren für ihn stets Mittel zur Begegnung und Welterfahrung. „Für mich war wichtig, dass die Kunst etwas über den Erfahrungshorizont des modernen Menschen aussagt“, so Groß-Morgen. Den modernen Menschen mit seinen Befindlichkeiten und Verhältnissen ließ er immer wieder eindrucksvoll zu Wort kommen, etwa in einer hochkarätigen Ausstellung zum Thema „Arbeit“ im Karl-Marx-Jahr.
Aktuelle Diskursthemen, wie feministische Fragestellungen, Homosexualität und Diversität verhandelte die Ausstellung „Menschenkinder“. Dabei gelang es ihm, die Diskussion zwischen Kirche und Öffentlichkeit in Gang zu halten und Publikum ins Haus zu holen, das ansonsten der Kirche eher distanziert gegenübersteht. Wenn er jetzt sein Büro räumt, kann Markus Groß-Morgen auf eine erfolgreiche Amtszeit als verdienter und geschätzter Museumschef zurückblicken. In der letzten Zeit hatten ihm gesundheitliche Probleme zugesetzt und seine Aktivitäten eingeschränkt. Der Abschied aus dem Dienst mag daher auch etwas Befreiendes haben. Erst einmal will er jetzt ausruhen, lesen, reisen und mehr Sport treiben. Und ein kleines publizistisches Projekt ist auch noch in der Planung. Was bleibt sind Dank und Anerkennung. Und ansonsten gilt die Empfehlung von Hermann Hesse: „heiter“ von einem Lebensraum in den anderen zu schreiten und an keinem „wie an einer Heimat“ zu hängen.
Bild: Markus Groß-Morgen © Foto: Eva-Maria Reuther



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