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Kritik: „Pessoa“ am Grand Théâtre Luxembourg

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Robert Wilsons atmosphärisch dichte Auseinandersetzung mit dem Werk des portugiesischen Autors Fernando Pessoa

Von Johann Emilian Horras

Die herausragende Bedeutung, die der US-amerikanische Regisseur Robert Wilson für das Theater, wenn nicht gar für die gesamte Kunstwelt besitzt, zeigte sich im vergangenen November. Zwar hatte es nach Wilsons Tod am 31. Juli 2025 zahlreiche Nachrufe und Huldigungen gegeben, doch als jetzt, vier Monate später, weltweit WeggefährtInnen, KollegInnen und ZuschauerInnen seiner Stücke zusammenkamen, um seiner zu gedenken, wurde die globale Strahlkraft seiner Theaterarbeiten noch einmal besonders deutlich: Veranstaltungen im Théâtre de la Ville in Paris, im Piccolo Teatro in Mailand, in der Brooklyn Academy of Music in New York, in der Akademie der Künste in Berlin ehrten den Regisseur. Allesamt Städte, in denen Wilson wirkte und mit seinen Inszenierungen besonders tiefe Spuren hinterließ. Auch im Luxemburger Grand Théâtre war der global tätige Regisseur in den vergangenen Jahren immer wieder zu Gast: 2018 mit „La Traviata“, 2019 mit „Jungle Book“. Anfang Januar bot sich sodann die Gelegenheit, auch in Luxemburg eine seiner letzten Inszenierungen zu erleben: „Pessoa – Since I’ve Been Me“, produziert vom Teatro della Pergola in Florenz und dem Théâtre de la Ville in Paris.

Das Stück ist eine Auseinandersetzung mit dem Werk des spätentdeckten portugiesischen Schriftstellers Fernando Pessoa (1888–1935), ein bedeutender Vertreter der literarischen Moderne. Textpassagen aus zentralen Werken wie dem „Buch der Unruhe“ oder Pessoas „Faust“, aber auch aus persönlichen Schriftstücken wie den Briefen an seine Geliebte Ophelia Queiroz bilden die textliche Grundlage von Wilsons Inszenierung. Bekannt geworden ist Pessoa für eine Vielzahl an Heteronymen – fiktive, von ihm erfundene Autoren mit persönlichen Biografien, Themen, Schreibstilen und Ästhetiken. Diese unterschiedlichen Identitäten stellt Wilson ins Zentrum seiner Inszenierung – und verstärkt sie etwa durch die Mehrsprachigkeit der SchauspielerInnen, die auf Französisch, Italienisch, Portugiesisch und Englisch zum Publikum sprechen.

Schon immer war Wilson ein Meister in der Rhythmisierung der Aufführung, in der Erschaffung spezifischer Atmosphären und Zeitlichkeiten, die die ZuschauerInnen in eine ganz eigene, mitunter überwältigende Bühnenrealität eintauchen lassen. Auch für seine Auseinandersetzung mit Pessoas Werk hat der Regisseur beeindruckende Bilder gefunden. Wie ein geometrisch streng durchkomponiertes Gemälde erscheint die Bühne in den einzelnen Szenen. Die dunkle, schwarz-weiß gehaltene Farbgebung wird dabei immer wieder durch starke farbige Kontrastierungen durchbrochen. Die poetischen, mitunter auch abstrakten Versatzstücke aus Pessoas Werken, die von den Schauspieler:innen in schneller Folge wiedergegeben werden, lassen sich angesichts der visuellen Fülle, mit der einen das Stück konfrontiert, kaum verarbeiten. Die Stärke der Inszenierung liegt – wie auch für andere Wilson-Inszenierungen charakteristisch – daher nicht in der inhaltlichen Auseinandersetzung mit Pessoas Themen und Motiven, sondern vor allem im performativen Spiel der Schauspieler:innen, die in Verbindung mit einem markanten, rhythmusgebenden Sounddesign und dem Bühnenbild eine Atmosphäre schaffen, die auf ein präsentisches Erleben des Publikums zielt. Pessoas Texte werden dadurch fast schon nebensächlich. So wird die subjektive Weltsicht des portugiesischen Schriftstellers, seine Innerlichkeit phasenweise von der überbordenden formalen Gestaltung der Bühne und der ausdrucksstarken Darstellung der SchauspielerInnen förmlich überlagert.

Durch die Vermischung theatraler Genres wie Gesang, Tanz, Pantomime und Performance bildete die Sprache bei Wilson immer schon nur mehr ein Zeichensystem unter vielen. Ausgangspunkt war nie der Text, das Inhaltliche, sondern das Visuelle. Besonders deutlich wird dies, wenn man sich die Zeichnungen und Malereien des Regisseurs zu seiner Pessoa-Inszenierung anschaut, die in der Ausstellung „Oeuvres sur papier“ noch bis zum 21. Februar 2026 in der Luxemburger Galerie Nosbaum Reding zu sehen sind. Sie zeigen zentrale Gegenstände, die die Inszenierung visuell strukturieren – Tische, Stühle, Brillen, Segelschiffe. Der Körper, als zentrales Medium des Theaters, spielt dagegen – durchaus verwunderlich – in Wilsons Skizzen kaum eine Rolle.

www.theatres.lu
www.nosbaumreding.com

Bild: Robert Wilsons „Pessoa“ © Lucie Jansch

Filed Under: Kritik

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