
Von Magdalena Lambert
Geboren am 23.9.1926 in North Carolina, wuchs John Coltrane im religiösen Milieu einer Methodisten-Gemeinde auf. Seine erste Berührungspunkte mit der Musik war die eigene Familie; sein Großvater brachte ihm geistliche Musik näher, sein Vater spielte mehrere Instrumente. Als Zwölfjähriger schließlich bekam er von seinen Eltern eine Klarinette geschenkt und bekam darauf erst einmal klassischen Unterricht. Nach einer Reihe von familiären Todesfällen im Jahr 1939 – zunächst starb seine Tante, dann sein Vater und schließlich seine Großmutter – wurde Coltrane die Musik wichtiger Ankerpunkt und Begleiter. Mit den Jahren und weiteren Lebensereignissen entwickelte er in Bezug auf sein musikalisches Wirken folgende Philosophie: „Ich möchte eine Kraft sein, die wirklich Gutes bewirkt. Mit anderen Worten: Ich weiß, dass es böse Kräfte gibt, Kräfte, die anderen Leid zufügen und der Welt Elend bringen, aber ich möchte die gegenteilige Kraft sein. Ich möchte die Kraft sein, die wirklich dem Guten dient.“
Coltranes Karriere nahm 1945, kurz vor seinem Einzug in die Navy, Fahrt auf, als er seinen ersten Job in einer Tanzband landete. Nur ein Jahr später wurde er wieder aus dem Dienst der Navy entlassen und spielte zunächst Altsaxophon bei der Joe Webb Bluesband, bevor er bei Eddie Vinson auf das Tenorsaxophon wechselte. Später widmete er sich ebenfalls dem Sopransaxophon. Während dieser Zeit traf und kollaborierte er gelegentlich auch mit Größen wie Miles Davis, Charlie Parker und Dizzy Gillespie. Mit letzterem spielte er 1949 eine Zeit lang in dessen Bigband – seine durch Jahre in der Musikszene entstandene Heroinsucht wurde von Gillespie allerdings nicht geduldet, und so musste er die Band bald wieder verlassen. Gillespie und Parker, so sagte Coltrane einmal, hätten ihn „zum ersten Mal für die musikalische Entdeckungsreise begeistert. Durch ihre Werke begann ich, mich mit musikalischen Strukturen und den eher theoretischen Aspekten der Musik auseinanderzusetzen.“ Nach weiteren Stationen in verschiedenen Bands wurde er 1955 schließlich Teil des Miles Davis Quintetts, was ihm den Durchbruch verschaffte. Mit Pausen – auch Davis warf ihn wegen seiner Drogensucht eine Zeit lang aus der Band, bis er davon loskam – war er bis 1960 Teil davon. Es folgte ein eigenes Quartett und Albumaufnahmen mit namenhaften MusikerInnen. Coltrane war sein Leben lang auf der Suche nach neuen Klang- und Spielweisen und entwickelte sich vom Hard Bop über den Modalen bis hin zum Free Jazz. Sein Spiel wurde gemäß eigener Aussage „der spirituelle Ausdruck dessen, was ich bin – mein Glaube, mein Wissen, mein Wesen… Wenn man beginnt, die Möglichkeiten der Musik zu erkennen, verspürt man den Wunsch, etwas wirklich Gutes für die Menschen zu tun, der Menschheit zu helfen, sich von ihren Blockaden zu befreien.“
Coltrane selbst schaffte es jedoch nie, sich gänzlich von seinen eigenen Blockaden im Leben zu lösen. 1967 schied er frühzeitig aus dem Leben – und hinterlässt JazzliebhaberInnen trotz seiner begrenzten Wirkenszeit ein reiches musikalisches Erbe. Dieses lassen die zwei SaxophonistInnen Melissa Aldana und Joe Lovano am 10.11., 19:30 Uhr, in der Philharmonie Luxembourg wieder aufleben. Zusammen mit Nduduzo Makhathini am Klavier, Linda May Han Oh am Bass und Jeff „Tain“ Watts am Schlagzeug erklingt der ikonische Sound von John Coltrane nochmals. Den KonzertbesucherInnen wird an diesem Abend zuteil, was Coltrane als Musiker sein Leben lang verwehrt blieb: „Manchmal wünschte ich mir, ich könnte meiner Musik zum ersten Mal begegnen, als hätte ich sie noch nie zuvor gehört. Da ich so untrennbar ein Teil davon bin, werde ich nie erfahren, was der Zuhörer daraus mitnimmt, was er empfindet, und das ist schade.“
Foto: Joe Lovano – einer der MusikerInnen des Abends – bei einem Konzert mit seinem Paramount Quartet © Alfonso Salgueiro



Schreibe einen Kommentar