Verdis Falstaff ist in musikalisch einnehmendem Gewand die Verkörperung einer Maßlosigkeit, für die allzu oft andere einstehen müssen. Auch Falstaffs Charme und Witz können nicht verhindern, dass er die Rechnung dafür präsentiert bekommt, die Befriedigung der eigenen Bedürfnisse stets über alle gesellschaftlichen Regeln zu stellen. Und genau das geschieht in Verdis letzter Oper, dieser bitterbösen Komödie, die dem italienischen Erbe der Opera buffa die späte Krone aufsetzt. Mit Situationskomik und viel Esprit zeigt Verena Stoibers Inszenierung Falstaff als heutigen Prototypen eines Mannes, dessen Rüpeligkeiten humorvoll, aber gründlich hinterfragt gehören. Und auch wenn die Frauen am Ende ihr Ziel erreichen, sind sie doch, wie es in Verdis berühmter Schlussfuge heißt, „tutti gabbati“ – alle bekommen am Ende ihr sprichwörtliches Fett weg.
