
von Dr. Kurt Bohr aus OPUS 117
Die Geschichte der URSAPHARM Arzneimittel GmbH ist eng mit dem wirtschaftlichen Aufstieg des Saarlandes nach dem Zweiten Weltkrieg verbunden. Aus den Anfängen eines regional tätigen Handelsunternehmens entwickelte sich innerhalb weniger Jahrzehnte ein international erfolgreiches Pharmaunternehmen, das heute zu den führenden Herstellern ophthalmologischer Arzneimittel und Medizinprodukte zählt. Diese Entwicklung beruht auf unternehmerischem Weitblick, technologischer Innovationskraft und einer konsequent langfristig ausgerichteten Unternehmensstrategie.
Die Wurzeln des Unternehmens reichen in die 1950er-Jahre zurück. Das Saarland befand sich damals in einer wirtschaftlichen und politischen Umbruchphase und war noch stark durch Frankreich geprägt. In dieser Zeit erkannten die Saarbrücker Apotheker Werner Bernhard (1903–1984) und Werner Buxmann (1913–1989) das Potenzial hochwertiger Präparate für die Augenheilkunde. Als Vertriebspartner der elsässischen Laboratoires POS aus Kaysersberg brachten sie deren Produkte zunächst erfolgreich auf den saarländischen Markt und bauten den Vertrieb anschließend auf die Bundesrepublik Deutschland aus. Augenbäder, Augensalben und Augentropfen entwickelten sich zu einer erfolgreichen Produktpalette und legten den wirtschaftlichen Grundstein für das spätere Unternehmen.
Schon früh verfolgten Bernhard und Buxmann jedoch ein weitergehendes Ziel. Sie wollten sich nicht dauerhaft auf den Vertrieb fremder Produkte beschränken, sondern eigene Arzneimittel entwickeln und herstellen. Damit verband sich der Anspruch, unabhängiger zu werden, die gesamte Wertschöpfung im Unternehmen zu bündeln und langfristig einen eigenen Platz in der pharmazeutischen Industrie einzunehmen.
Mit der Gründung einer eigenen Gesellschaft im Jahr 1974 gemeinsam mit den Apothekern Albrecht Holzer (1927–1988) und Dieter Trox (1925–1997) wurde diese Vision Wirklichkeit. Bereits zwei Jahre später begann in Saarbrücken-Bübingen der Bau einer modernen Produktionsstätte für sterile Arzneimittel – ein für ein mittelständisches Unternehmen ambitioniertes Projekt. Ab 1977 wurden dort die ersten ophthalmologischen Arzneimittel hergestellt. Die Entscheidung, sich auf sterile Produktionsverfahren zu konzentrieren, erwies sich als richtungsweisend. Während viele Unternehmen auf Standardprodukte setzten, spezialisierte sich URSAPHARM auf hochwertige Präparate, deren Herstellung höchste Qualitätsstandards erforderte.
1974 gegründet als Bernhard, Buxmann & Co wurde das Unternehmen 1979 umbenannt in URSAPHARM Bernhard, Buxmann & Co und im gleichen Jahr in URSAPHARM Arzneimittel GmbH. Gleichzeitig stärkte die ,Beteiligung an der Ursa Chemie GmbH in Lahnstein die Versorgung mit pharmazeutischen Ausgangsstoffen und erhöhte die Unabhängigkeit des Unternehmens. Mit der Übernahme der Firma Permicutan im Jahr 1984 sowie der Euringer Arzneimittelgesellschaft 1987 wurde das Produktportfolio kontinuierlich erweitert. Seit 1979 trägt das Unternehmen den Namen URSAPHARM Arzneimittel GmbH, unter dem es heute weltweit bekannt ist.
Mit dem Tod von Albrecht Holzer begann Ende der 1980er-Jahre zugleich ein geordneter Generationswechsel. Nach dem Ausscheiden von Dieter Trox übernahmen Frank Holzer und Detmer Buxmann die Verantwortung für das Unternehmen. Sie führten URSAPHARM in einer Zeit tiefgreifender Veränderungen der pharmazeutischen Industrie. Zunehmende Internationalisierung, strengere regulatorische Anforderungen und ein wachsender Innovationsdruck verlangten neue Strategien. Die Unternehmensleitung reagierte darauf mit langfristigen Investitionen in moderne Produktionstechnologien, Forschung und Entwicklung sowie dem konsequenten Ausbau eigener Kompetenzen.
Diese auf Nachhaltigkeit angelegte Unternehmensführung prägt URSAPHARM bis heute. Anstelle kurzfristiger Renditeziele standen stets Qualität, Innovation und organisches Wachstum im Mittelpunkt. Bereits 2007 beschäftigte das Unternehmen mehr als 400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Im selben Jahr schied Detmer Buxmann aus der Geschäftsführung aus. Frank Holzer führte das Unternehmen zunächst allein weiter, bevor 2013 mit Dominik Holzer die nächste Generation Verantwortung übernahm. Als Geschäftsführer für Produktion und Vertrieb ergänzte er die Unternehmensleitung, während Frank Holzer weiterhin die Bereiche Finanzen und Verwaltung verantwortete. Der Übergang zwischen den Generationen erfolgte damit bewusst schrittweise und sicherte zugleich Kontinuität und neue Impulse.
Den entscheidenden Schritt vom erfolgreichen mittelständischen Pharmaunternehmen zum international anerkannten Spezialisten verdankt URSAPHARM jedoch vor allem seiner Innovationskraft. Ein Meilenstein war die Entwicklung des patentierten COMOD®-Systems (Continuous Mono Dose), das die Anwendung konservierungsmittelfreier Augentropfen in einem Mehrdosisbehältnis ermöglichte. Diese technische Innovation sollte die Augenheilkunde nachhaltig verändern und den internationalen Erfolg des Unternehmens entscheidend prägen.
Die Entwicklung des COMOD®-Systems markierte einen Wendepunkt in der Unternehmensgeschichte. Bis dahin mussten Augentropfen in Mehrdosisbehältnissen grundsätzlich Konservierungsmittel enthalten, um eine mikrobielle Verunreinigung nach dem Öffnen zu verhindern. Diese Zusätze konnten jedoch insbesondere bei einer langfristigen Anwendung die Horn- und Bindehaut reizen und die Verträglichkeit der Präparate beeinträchtigen. Für Patientinnen und Patienten mit chronischen Augenerkrankungen stellte dies oftmals eine erhebliche Belastung dar.
Gemeinsam mit Entwicklungspartnern gelang URSAPHARM eine technische Lösung, die weltweit Beachtung fand. Das patentierte COMOD®-System ermöglicht durch eine speziell entwickelte Ventiltechnik die sterile Anwendung konservierungsmittelfreier Augentropfen über den gesamten Nutzungszeitraum. Ein Rückfluss von Umgebungsluft oder kontaminierten Flüssigkeiten in das Behältnis wird zuverlässig verhindert. Damit konnten erstmals Produktsicherheit, Anwenderfreundlichkeit und eine hohe Verträglichkeit in einem Mehrdosisbehältnis miteinander verbunden werden.

Diese Innovation setzte neue Maßstäbe in der Augenheilkunde. Das COMOD®-System wurde in internationalen Arzneibüchern und Fachpublikationen dokumentiert und entwickelte sich zu einem Markenzeichen von URSAPHARM. Bis heute bildet es die Grundlage zahlreicher Arzneimittel und Medizinprodukte des Unternehmens und gilt als wesentlicher Erfolgsfaktor auf den internationalen Märkten.
Der technologische Vorsprung war zugleich Ausgangspunkt für eine konsequente Internationalisierung. Aus einem regionalen Arzneimittelhersteller entwickelte sich innerhalb weniger Jahrzehnte ein weltweit tätiges Unternehmen. Heute sind Produkte von URSAPHARM in mehr als 100 Ländern erhältlich; zahlreiche Tochtergesellschaften und Vertriebspartner sorgen dafür, dass Innovationen aus Saarbrücken weltweit verfügbar sind. Trotz dieser internationalen Ausrichtung blieb das Unternehmen seiner mittelständischen Prägung treu. Strategische Entscheidungen orientieren sich bis heute an langfristigem Wachstum, nachhaltigen Investitionen und einer hohen Produktqualität.
Parallel zur Expansion wurden die Produktionskapazitäten kontinuierlich erweitert. Bereits 2006 nahm URSAPHARM ein neues Fertigungsgebäude in Betrieb, dem in den folgenden Jahren weitere hochmoderne Produktionslinien folgten. Das Betriebsgelände in Saarbrücken-Güdingen umfasst heute rund 139.000 Quadratmeter. Sämtliche im COMOD®-System abgefüllten Arzneimittel und Medizinprodukte werden weiterhin am Standort Saarbrücken hergestellt. Damit verbindet das Unternehmen internationale Wettbewerbsfähigkeit mit einem klaren Bekenntnis zum Produktions- und Forschungsstandort Saarland.
Innovation bedeutet für URSAPHARM jedoch weit mehr als die Entwicklung neuer Produkte. Forschung und Entwicklung sind seit Jahrzehnten integraler Bestandteil der Unternehmensstrategie. Gemeinsam mit Universitäten, wissenschaftlichen Einrichtungen und klinischen Partnern arbeitet das Unternehmen kontinuierlich an neuen Therapieansätzen und innovativen Arzneimitteln. Ein wichtiger Kooperationspartner ist das Helmholtz-Institut für Pharmazeutische Forschung Saarland (HIPS). Die enge Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Industrie schafft die Voraussetzungen dafür, medizinische Erkenntnisse zügig in marktfähige Produkte zu überführen und die Versorgung von Patientinnen und Patienten nachhaltig zu verbessern.
Von ebenso großer Bedeutung ist die Förderung qualifizierter Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die aseptische Herstellung steriler Arzneimittel erfordert hoch spezialisierte Fachkräfte in Produktion, Qualitätssicherung, Analytik und Forschung. URSAPHARM investiert deshalb seit vielen Jahren gezielt in Ausbildung und Nachwuchsförderung. Das Unternehmen bildet in zahlreichen technischen, naturwissenschaftlichen und kaufmännischen Berufen aus und kooperiert eng mit Hochschulen und wissenschaftlichen Einrichtungen. Diese langfristige Personalpolitik trägt wesentlich dazu bei, den steigenden Bedarf an qualifizierten Fachkräften zu decken und die Innovationsfähigkeit des Unternehmens dauerhaft zu sichern.
Heute beschäftigt URSAPHARM rund 1.200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am Standort Saarbrücken; einschließlich der internationalen Tochtergesellschaften sind es weltweit mehr als 1.400 Beschäftigte. Damit gehört das Unternehmen zu den bedeutendsten Arbeitgebern der Gesundheitswirtschaft im Saarland und leistet zugleich einen wichtigen Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung der Region.
Als familiengeführtes Unternehmen versteht sich URSAPHARM darüber hinaus als Teil der Gesellschaft. Seit vielen Jahren engagiert sich das Unternehmen in den Bereichen Sport, Kultur, Wissenschaft und Soziales. Dieses Engagement folgt der Überzeugung, dass wirtschaftlicher Erfolg auch gesellschaftliche Verantwortung mit sich bringt und Unternehmen einen Beitrag zur Entwicklung ihres regionalen Umfeldes leisten sollten.
Besonders sichtbar wird dies im langjährigen Engagement der Familie Holzer für die SV Elversberg. Frank Holzer, der bereits als Bundesligaspieler des 1. FC Saarbrücken und von Eintracht Braunschweig Bekanntheit erlangte, übernahm am 23.02.1990 die Präsidentschaft des Vereins. Seit 2011 führt Dominik Holzer den Verein als Präsident; Frank Holzer steht dem Aufsichtsrat vor. Unter ihrer Verantwortung entwickelte sich die SV Elversberg durch kontinuierliche und wirtschaftlich solide Vereinsarbeit vom regionalen Amateurverein bis in die Bundesliga. Parallel dazu wurde die Infrastruktur des Vereins nachhaltig modernisiert und an die Anforderungen des Profifußballs angepasst.

Die Geschichte der URSAPHARM Arzneimittel GmbH steht beispielhaft für den erfolgreichen Wandel eines mittelständischen Familienunternehmens zu einem international anerkannten Pharmaunternehmen. Unternehmerischer Weitblick, die konsequente Ausrichtung auf Innovation und Qualität sowie die enge Verbundenheit mit dem Standort Saarland bilden seit mehr als fünf Jahrzehnten die Grundlage dieser Entwicklung. Heute zählt URSAPHARM zu den führenden europäischen Herstellern ophthalmologischer Arzneimittel und Medizinprodukte. Das Unternehmen verbindet wissenschaftliche Kompetenz mit technologischer Innovationskraft, internationale Wettbewerbsfähigkeit mit regionaler Verantwortung und zeigt eindrucksvoll, wie nachhaltiges unternehmerisches Handeln wirtschaftlichen Erfolg und gesellschaftliches Engagement miteinander verbinden kann.
ursapharm.de
Titelbild: Ursapharm Hauptgebäude in 66129 Saarbrücken, Industriestraße © Ursapharm



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